1. Funktionen und Abbildungen
Dies ist der Einstieg in die Differentialrechnung für Funktionen .
1.1 Zahlbereiche
Zur Erinnerung/Wiederholung die verschachtelten Zahlbereiche, die im Folgenden ständig gebraucht werden:
Es gilt die Inklusionskette .
1.2 Abbildungen / Funktionen
Definition: Abbildung
Eine Abbildung / Funktion aus in ist eindeutig definiert durch:
- Angabe einer Menge , dem Definitionsbereich von
- eine eindeutige Vorschrift, die jedem Element genau ein zuordnet
Schreibweisen:
Symbol
“wird zugeordnet”
Sprechweisen
- : Argument von (unabhängige Variable)
- : abhängige Variable
- : Funktionswert von an der Stelle , auch Bild von an der Stelle genannt
Bezeichnungen
Graph einer Funktion
Wertebereich
Nullstelle
Ein Argument mit .
Wichtige Unterscheidung
Der Definitionsbereich ist, wo man einsetzen darf; der Wertebereich ist, was tatsächlich als Ergebnis herauskommt. ist oft eine echte Teilmenge von , selbst wenn ist (siehe Beispiel 5 unten, Betragsfunktion).
1.3 Beispiele
Beispiel 1: Identische Abbildung
y=xBeispiel 2: Gebrochen-rationale Funktion mit Definitionsbereichs-Einschränkung
Der maximale Definitionsbereich (dort, wo der Nenner nicht null wird):
Schränkt man den Definitionsbereich künstlich ein (Annahme ):
y=\frac{x}{x^{2}-1}
y=\frac{x}{x^{2}-1}|x\geq3|redLerneffekt
Dieses Beispiel zeigt: Derselbe Funktionsterm kann je nach gewähltem Definitionsbereich einen völlig anderen Wertebereich liefern. und zusammen legen fest — nicht allein.
Beispiel 3: Floor-Funktion (Abrundungsfunktion)
Beispiele:
Fallstrick bei negativen Zahlen
, nicht ! “Abrunden” heißt immer “zur nächstkleineren ganzen Zahl”, nicht “Nachkommastellen abschneiden” — bei negativen Zahlen ist das ein Unterschied.
y=\operatorname{floor}(x)Beispiel 4: Ceiling-Funktion (Aufrundungsfunktion)
y=\operatorname{ceil}(x)Beispiel 5: Betragsfunktion
1.4 Arithmetische Operationen für Funktionen
Sind Funktionen mit demselben Definitionsbereich , lassen sich daraus neue Funktionen konstruieren:
Summe / Differenz
jeweils für alle .
Produkt
Quotient
für alle .
Definitionsbereich beachten
Beim Quotienten muss der Definitionsbereich auf eingeschränkt werden — überall dort, wo eine Nullstelle hat, ist der Quotient nicht definiert (vgl. Beispiel 2 oben).
Vielfache
Für :
Nullfunktion
Regeln:
1.5 Spezielle Funktionsklassen
Polynomabbildungen
Definition: Polynomfunktion
Eine Abbildung mit heißt Polynomfunktion vom Grad n, falls . Die Werte heißen Koeffizienten des Polynoms .
Spezialfälle:
- Nullpolynom: für alle (alle Koeffizienten sind 0), Grad (Konvention)
- Konstantes Polynom: für ein , Grad
- (Affin) lineares Polynom: mit , Grad
Satz (ohne Beweis, folgt später)
Ein Polynom vom Grad über hat höchstens Nullstellen.
Exponentialfunktionen
Definition: Allgemeine Exponentialfunktion
Eine Abbildung mit heißt allgemeine Exponentialfunktion.
Satz (Basiswechsel)
Sind reelle Zahlen, so gilt für alle :
Praktische Konsequenz
Jede Exponentialfunktion lässt sich auf die Basis zurückführen. Tatsächlich definiert man in der Analysis zuerst und (über Potenzreihen bzw. als Umkehrfunktion), und dann erst: Das ist der Grund, warum in der Analysis und die “fundamentalen” Funktionen sind, aus denen alle anderen Exponential- und Logarithmusfunktionen abgeleitet werden.
Weitere Funktionsklassen
- Rationale Funktionen: , wobei Polynome sind (vgl. Beispiel 2 oben, ).
- Logarithmusfunktionen:
- Trigonometrische Funktionen: , , ,
Diese Funktionsklassen bilden den “Werkzeugkasten”, mit dem später in der Differential- und Integralrechnung gearbeitet wird.