4. Mengenoperationen

Voraussetzung: 03 Mengenlehre - Grundlagen und Axiome (Paarmengenaxiom, große Vereinigung/Schnittmenge)

4.1 Zweistellige Mengenoperationen

Für zwei Mengen betrachtet man zunächst die Paarmenge (Paarmengenaxiom) und definiert darauf aufbauend die gewohnten Operationen über die großen Operationen aus 03 Mengenlehre - Grundlagen und Axiome:

Wichtiger Zusammenhang

Die “kleinen” zweistelligen Operationen sind also nur Spezialfälle der “großen” Operationen , angewendet auf eine Paarmenge. Das zeigt, wie konsequent das Axiomensystem aufgebaut ist: Fast alles lässt sich auf wenige Grundaxiome zurückführen.

Weitere zweistellige Mengenoperationen

Differenz (Komplement relativ zu A)

Lies: “A ohne B” oder “Komplement von B relativ zu A”.

Beispiel-Eigenschaft: Für gilt .

Symmetrische Differenz

Enthält alle Elemente, die in genau einer der beiden Mengen liegen (nicht in beiden).

Verallgemeinerung auf eine Mengenfamilie: Für eine Menge (von Mengen) sei

Für den Spezialfall (zwei Mengen) gilt dann — die Verallgemeinerung ist also konsistent mit der zweistelligen Definition.


4.2 Rechenregeln für Mengenoperationen

RegelName
Assoziativität
Kommutativität
Assoziativität
Kommutativität
Distributivgesetz
Distributivgesetz (#)

Diese Regeln sind nicht zufällig identisch mit den Regeln der Aussagenlogik (siehe 01 Aussagenlogik, Abschnitt 1.4) — das liegt daran, dass über und über definiert sind.


4.3 Beweistechnik: Mengengleichheit zeigen

Die Standardmethode, um für Mengen zu zeigen, ist der Doppelbeweis:

  1. Zeige (jedes Element von ist auch in )
  2. Zeige (jedes Element von ist auch in )

Dabei nutzt man aus: Jeder Beweisschritt "" entspricht genau einer aussagenlogischen Umformung, auf die man die Äquivalenzregeln aus 01 Aussagenlogik anwenden kann.

Beweis von (#):

”⊆”: Sei .

”⊇”: Analog — oder man bemerkt: Alle “Vorwärtsimplikationen” () oben sind in Wirklichkeit bereits Äquivalenzen (), weil jede verwendete Regel (Definition von , Distributivgesetz) in beide Richtungen gilt. Damit ist mit dem einen Beweis bereits beide Inklusionsrichtungen gezeigt.

Zeitspar-Trick

Prüfe bei jedem Beweisschritt, ob die verwendete Umformung eine echte Äquivalenz ist (nicht nur eine Implikation). Wenn ja, spart man sich den zweiten Teilbeweis (”⊇”) komplett, weil ”⊆” + “alle Schritte sind ⟺” bereits ”=” liefert.

Beweis von:

Dies ist eine alternative Charakterisierung der symmetrischen Differenz .

”⊆”: Sei .

Jetzt wird distributiv ausmultipliziert:

Die beiden Terme und sind Kontradiktionen (siehe 01 Aussagenlogik) und fallen weg:

”⊇”: Wieder als Doppelbeweis (in beide Richtungen durchführen) — oder prüfen, welche Schritte bereits Äquivalenzen waren.

Alternative: Diagrammbeweis

Wenn keine Lust auf einen vollständigen schriftlichen Beweis besteht, ist auch ein Venn-Diagramm-Beweis zulässig: Man zeichnet beide Seiten der Gleichung als schattierte Bereiche in einem Venn-Diagramm mit den Mengen und prüft, dass dieselben Bereiche schattiert sind.


4.4 Zusammenfassung: Analogie Aussagenlogik ↔ Mengenlehre

Diese Tabelle fasst zusammen, warum sich die Regeln aus 01 Aussagenlogik eins-zu-eins auf Mengenoperationen übertragen:

AussagenlogikMengenlehre
(und) (Schnitt)
(oder) (Vereinigung)
(nicht) bzw. Komplement
Kommutativität, Assoziativität, Distributivgesetzidentisch übertragbar
TautologieAllgemeingültige Mengenidentität

Dieser Zusammenhang ist der Grund, warum man beim Mengen-Beweisen (wie oben) ständig auf die Regeln aus Kapitel 1 zurückgreift: Jede Aussage "" wird zu einer aussagenlogischen Formel, und die Mengenmanipulation ist nichts anderes als aussagenlogisches Umformen “unter dem -Mantel”.