Boolesche Funktionen und Addierer

3.1 Boolesche Funktion als Tabelle

Eine boolesche Funktion ordnet jeder Eingangsbelegung (einem Bitvektor) einen Ausgangsvektor zu:

Die Eingangsbelegungen werden durchnummeriert: Der Index ist genau der Dualwert der Eingangsbits. Beispiel mit 3 Eingängen :

Doppelte Bezeichnung

sind die Eingangsvariablen (Spalten). mit sind die Belegungen (Zeilen). Gleiche Buchstaben, verschiedene Bedeutung. Aus dem Kontext lesen!

3.2 Volladdierer (Folie S. 25)

Der Volladdierer addiert an Stelle die Bits , und den Übertrag der Stelle davor. Heraus kommen Summenbit und neuer Übertrag .

() () () () ()
0000000
1001011
2010011
3011102
4100011
5101102
6110102
7111113

ist die Anzahl der Einsen am Eingang, also die Summe als Zahl. Es gilt . Der Ausgang ist einfach als zweistellige Dualzahl.

Mehrere Belegungen können denselben Ausgang haben, z.B. (genau eine Eins am Eingang → Summe 1, kein Übertrag).

3.3 Funktionsindex (FI)

Definition

Man liest die Ausgangsspalte einer Funktion von bis (von unten nach oben) als Dualzahl und schreibt sie hexadezimal. Das ist der Funktionsindex. Er identifiziert die Funktion eindeutig.

Volladdierer:

  • : Spalte von unten →
  • : Spalte von unten →

3.4 Einsmengen: Boolesche Mengenalgebra (BMA)

Statt der ganzen Tabelle notiert man nur, bei welchen Belegungen die Funktion 1 ist, die Einsmenge :

Muster erkennen (Ergänzung, nicht aus der Mitschrift)

  • genau bei ungerader Anzahl Einsen → (XOR über alle drei)
  • genau bei mindestens zwei Einsen → Mehrheitsfunktion

Beides lässt sich an der Tabelle oben direkt nachprüfen.

3.5 Halbaddierer (Folie S. 32)

Der Halbaddierer addiert nur zwei Bits , , ohne eingehenden Übertrag.

Funktion:

() () () ()
00000
10101
21001
31110

Einsmengen (BMA): ,

Struktur als schaltalgebraischer Ausdruck (BAA):

Schaltung: ein XOR-Gatter (=1) für , ein AND-Gatter (&) für :

Selbsttest

Wie baut man aus zwei Halbaddierern und einem OR-Gatter einen Volladdierer? (Tipp: Erst , dann das Ergebnis . Wann entsteht ein Übertrag?)

3.6 Syntax und Semantik (Folie S. 34)

Syntax

Gibt die Struktur einer Sprache an („Lehre vom Satzbau“): welche Ausdrücke überhaupt zulässig sind.

  • zulässig:
  • nicht zulässig: (zwei Operatoren direkt hintereinander)

Die Operatoren haben in beiden Schreibweisen eigene Zeichen: Negation , Konjunktion , Disjunktion (BAA); in der BMA die „geschwungenen“ Mengenzeichen.

Semantik

Lehre von der inhaltlichen Bedeutung. Sie ordnet einem zulässigen Ausdruck eine Bedeutung zu (z.B. „das ist die Summe eines Volladdierers“). Kernfrage: Welchen Wert (0 oder 1) hat ein Ausdruck bei einer bestimmten Eingangsbelegung ? Dafür gibt es die Wertfunktion .

3.7 Beispiel: Wertverlauf (Folie S. 50)

00000
10010
20100
30111
41001
51011
61101
71111

Die ganze Spalte heißt Wertverlauf, ein einzelner Eintrag ist ein Wert der Wertfunktion, z.B. .

Abweichung zur Mitschrift

In der Mitschrift steht in Zeile eine 0. Richtig ist 1, weil . Der Funktionsindex F8H in der Mitschrift stimmt aber schon, er setzt die 1 voraus.

Offen

Die Langformen der Abkürzungen BAA und BMA stehen nicht ausgeschrieben in der Mitschrift. BMA wird dort als „Boolesche Mengenalgebra“ bezeichnet, BAA steht für die schaltalgebraischen Ausdrücke. Mit Folie abgleichen.

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